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Mit dem Ford Tudor durch Babylon Berlin

20190524_Thulke_0007 Diese 30-er-Jahre-Schmuckstücke fuhren in der Fernsehserie Babylon Berlin

Mit knarzenden Hupen dröhnen mondäne Automobile über die nächtlich verregnete Straße vor dem Moka Efti. Es ist Nacht in Berlin, Passanten eilen über die Straße. Eine typische Szene aus der Erfolgsserie Babylon Berlin. Einige Fahrzeuge und Komparsen kommen aus der Region.

Seit Mai ist die dritte Staffel der deutschen Erfolgsproduktion abgedreht, gegen Jahresende wird sie zunächst im Pay TV zu sehen sein. Viele Szenen im Berlin der späten 20er und beginnenden 30er Jahre wurden in den Filmstudios Babelsberg gedreht. „Das ist ein Hochsicherheitstrakt“, berichtet der Wolfenbütteler Falko Thulke. „Ich habe mich riesig gefreut, als mich die Produktionsfirma angefragt hat“, erzählt er bei unserem Treffen mit zwei Fahrzeugen aus der Serie in der Wasserburg Gebhardshagen. Die historische Kulisse ist wie gemacht für die beiden Ford A, die mit sonorem Blubbern über das Kopfsteinpflaster fahren und vor historischer Kulisse halten. „Insgesamt waren acht Anbieter von Oldtimern vor Ort. 20 bis 30 Fahrzeuge jeglicher Couleur waren an unseren Drehtagen dabei“, berichtet der Oldtimer-Enthusiast.

Aufregende Dreharbeiten in Berlin

Die Dreharbeiten seien „bärenaufregend“ gewesen, berichtet Konrad „Conny“ Merk, der mit seinem Ford A Coupé (Baujahr 1930) und Jack-Russel-Terrier „Bonny“ das erste Mal überhaupt bei Dreharbeiten dabei war. Bei unserem Treffen schaut der kleine Hund vorwitzig aus dem offenen Beifahrerfenster und diskutiert bellend mit. „Bonny war schnell das Maskottchen am Set“, lacht Merk. Der zweite Wagen gehört Siegfried Kierchner. Ein Ford A Tudor (Baujahr 1931), der am Set von Thulke gefahren wurde, weil Kierchner nicht mit in das Babelsberger Studio konnte.

„Nach Ostern sind wir nach Berlin gefahren. Eine Spedition hat unsere Autos abgeholt“, berichtet Thulke. Das sei ein spezialisiertes Unternehmen gewesen, das von der Filmproduktion engagiert wurde. „Sicherheit steht da an oberster Stelle. Die Fahrzeuge und wir sind von der Filmfirma versichert“, sagt er.

„Wir haben viel Wartezeit gehabt“, erzählt er. Dabei habe man sich mit den anderen Oldtimerfahrern ausgetauscht, es gab echte Benzingespräche. Meist seien sie dann schon ausgestattet gewesen. „Erst werden die Fahrzeuge auf Optik und Technik begutachtet, dann geht es für uns in Maske und Requisite“, sagt er. Jeder Fahrer bringt dabei ein Foto seines Autos mit, die Kleidung werde dann passend dazu ausgesucht.

"Wir stellten eine Straßenszene im Nachtleben Berlins"

„Wir hatten die letzten beiden Drehtage, darunter auch Nachtszenen“, sagt Thulke. Sie spielten im strömenden Regen und sollten mit vielen Autos und querenden Passanten das hektische Straßentreiben der Metropole darstellen. „Da war mir schon ein wenig mulmig“, so Thulke. Doch alles habe prima geklappt. „Wir Fahrer haben ein Funkgerät mitbekommen, über die wir in ständigem Kontakt mit unserem eigenen Regieassistenten waren“, berichtet er. Die Kopfsteinpflasterstraße wurde ordentlich gewässert, strömender Regen pladderte auf die Windschutzscheiben, die Sicht war so mies wie sie nur sein konnte. Die Bremswege der Oldies sind ohnehin schon länger, bei der Herbst-Situation war das knifflig zu fahren.

In einer dieser Szenen querte auch die weibliche Hauptfigur Charlotte Ritter, gespielt von Liv Lisa Fries, die Straße. „Ich sollte sie im strömenden Regen durchlassen und habe nicht wirklich viel gesehen“, erzählt Thulke weiter. Es sei etwas knifflig gewesen, den richtigen Bremsweg einzuschätzen. „Das habe ich gottseidank gut hinbekommen“, lacht Thulke. Er sei nach kurzem Verzögern einfach weitergefahren, das sei gut bei der Regie angekommen. „Ich habe mich einfach im richtigen Abstand an ihn dran gehängt“, ergänzt Merk.

Schwierige Passagen wurden mit Stuntmen geprobt

In den Pausen besprechen sich auch die Stuntmen der Serie mit den Fahrern. Sie wissen am Besten, was man den Oldtimern zumuten kann und was sich umsetzen lässt. „In einer Szene soll Gereon Rath auf einen fahrenden LKW aufspringen“, so Thulke. Der Stuntman von Schauspieler Volker Bruch habe die Szene dann mit den Fahrern durchgesprochen und sie mit ihnen vor dem eigentlichen Dreh mehrfach durchprobiert.

Kennen gelernt haben sich die drei Oldtimerfreunde Kierchner, Merk und Thulke bei Fahrzeugtreffen, Thulkes Vater hatte zudem vor vielen Jahren das Salzgitteraner Oldtimerforum ins Leben gerufen, in dem viele Besitzer alter Autos aktiv sind. „Wenn ich Fahrzeuge für eine Filmproduktion anbiete, kommen sie meist aus diesem Freundeskreis“, erzählt er. So ist Babylon Berlin nicht die erste Filmproduktion mit Fahrzeugen von Familie Thulke und ihren Oldtimerfreunden. In „Monuments Men“ von George Clooney ist ein Fahrzeug aus der Region zu sehen, ebenso in „Bridge of Spies“ mit Tom Hanks und der teilweise in Helmstedt abgedrehten Verfilmung von Ferdinand Schierachs „Schuld“. „Es ist toll, nachher seine eigenen Fahrzeuge auf der Kinoleinwand zu sehen“, schließt er.

Dröhnung an der Teufelsmauer

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